Letzte Aktualisierung: 15. August 2017

Vorbemerkung

  • Die derzeit in Planung befindlichen Windkraftanlagen haben eine Gesamthöhe von 200 m oder mehr (207 m für das Projekt der Gemeinde Berg, Starnberg).
  • Durch die gewaltigen Ausmaße der Rotorblätter nehmen die Infraschallemissionen immer mehr zu.
  • Die französische Akademie der Medizin hatte 2006 einen Schutzabstand von 1500 m empfohlen. Dieser Abstand ist den heutigen Verhältnissen nicht mehr angepasst, weil die Windkraftanlagen seither ständig größer geworden sind.
Die 10H-Regel in Bayern28. Dezember 2014DeutschlandDeutschland

Abstand zwischen WKA und Wohnhäusern: die neue 10H-Regel schützt die Anwohner in Bayern

Da die WKA immer höher werden, ist der Schutzabstand jetzt proportional zur Gesamthöhe der WKA.

Otmar Bernhard

Man darf nicht nur die Interessen derer im Blick haben, die Windräder bauen wollen, sondern auch von denen, die als Anwohner davon betroffen sind.

Otmar Bernhard, bayerischer Landtagsabgeordneter (CSU)

Auszug aus der ZDF-Sendung Länderspiegel vom 6.12.2014:

Dieses Video ist auch auf unserem YouTube-Kanal. Quelle: ZDF Mediathek
Horst Seehofer
Horst Seehofer

Die neuen Windkraftanlagen, die in Bayern in der Planung sind, sind 200 m hoch. Um die Anwohner besser zu schützen, dürfen Windkraftanlagen künftig nur mit einem Mindestabstand von 10 × 200 m = 2 km zu Wohnhäusern errichtet werden.

Daraus folgt, dass die Zahl der möglichen Windkraftanlagen zwangsläufig begrenzt wird, aber der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte ja schon verkündet:

Diese wunderschöne bayerische Landschaft und Natur lasse ich nicht planlos verspargeln.

Loi 10-H en Bavière

Die 10H-Regel

Das 10H-Gesetz wurde am 12. November verabschiedet und ist am 21.11.2014 im Freistaat Bayern in Kraft getreten.

Es ist anerkennenswert, dass mit dieser Regel der technischen Entwicklung der Windkraftanlagen, die immer höher werden und dadurch immer mehr Infraschall emittieren, Rechnung getragen wird. Auch wenn die Anwohner damit nicht genügend vor Infraschall geschützt werden, der sich über weitaus größere Entfernungen als 2 km ausbreitet, kann man einen derartigen Vorstoß nur begrüßen!

Melanie Suckfüll

Die 10H-Regelung ist ein Meilenstein zum Schutz des Menschen. Und mittelbar wird damit auch die Natur geschützt, denn wenn die Abstände zu den Siedlungsgebieten errichtet werden, wo keine Anlagen stehen dürfen, ist diese Natur, die dazwischen steht, auch geschützt, automatisch.

Melanie Suckfüll, Vorsitzende Verein zum Schutz der Wadlhauser Gräben

Verstärkte Sicherheit im Falle von WKA-Unfällen

Die 10H-Regel verstärkt die öffentliche Sicherheit im Falle eines Unfalls. Nach den Grundgesetzen der Ballistik können Bruchstücke von Rotorflügeln nämlich im schlimmsten Fall bis zu 10H weit geschleudert werden.

Das Abschleudern von der Rotorflügelspitze aus ist der Ballistik eines Steinwurfs oder eines mit einer Schleuder geworfenen Geschosses vergleichbar, wobei sich die Rotorachse im Zentrum befindet und die Rotorflügellänge dem Radius entspricht.“*

Beispiel einer 125 m hohen Windkraftanlage:

Abschleudern von der Rotorflügelspitze aus
Quelle des Schemas: siehe weiter unten*

Die Schleuderweite beträgt 1000 m und der Abprall ungefähr 300 m, das entspricht also einer Gesamtweite von ungefähr 10H.

* Quelle: Anhang II der Studie (auf Französisch) "Die öffentliche Sicherheit von Windkraftanlagen" (La sécurité publique des centrales éoliennes industrielles), verfasst von den Ingenieuren Jean-Pierre Abalain, Jean-Yves Chazal und Bernard Schumpp.

Ärzteforum Emissionsschutz empfiehlt Mindestabstand 10H

Windenergie und Abstandsregelungen
Abstand von Windenergie – eine wissenschaftsbasierte Empfehlung, 15.12.2014, S. 7

Schlussfolgerung von Dr. Eckhard Kuck:

»Wie aus den oben aufgeführten beispielhaften Ableitungen ersichtlich, liegen medizinisch wirksame Schutzabstände zwischen 4 und 10km! Diese lassen sich in unserem dicht besiedelten Land in der Regel nicht einhalten. Pauschale Schutzabstände sollten so gewählt werden, dass der Anteil von Gesundheitsstörungen zumindest deutlich unter die Grenze von 10% (dies wird in der Medizin als „sehr häufige“ Nebenwirkung betrachtet!) gehalten werden können. Neben den Mindestabständen müssen dann zusätzlich Abschaltregelungen für einen ergänzenden Gesundheitsschutz sorgen:

  1. Mindestabstand 10xH (Anlagenhöhe), für Gesundheitsstandorte 15xH
  2. Einbeziehung der C-Schallbewertung in die Schallprognose
  3. Abschaltalgorithmen in Bezug auf
    1. ungünstige meteorologische Bedingungen mit geringerer Luftschalldämfung (Luftfeuchtigkeit, Luftschichtung)
    2. verstärkte Körperschallübertragung
    3. ungünstige Windrichtung
    4. Hintergrundschallbedingungen (Amplitudenmodulation und tonale Spitzen dürfen den Level des Hintergrundrauschens nicht übersteigen)«
Die 10H-Regel in Bayern